Kanadas Westen: Yoho-Nationalpark

Drei Wochen in Kanadas Westen – die kanadischen Rockies Yoho und Banff

Drei Wochen Roadtrip durch Kanadas Westen – so viele Berge! In der zweiten Etappe geht es von Nakusp über Golden, durch den Yoho Nationalpark nach Banff. Euch erwarten große Bäume, Schnee, Berge und wunderschöne Bergseen. Das war die Kurzversion – jetzt kommt der ausführliche Bericht.

Es regnet, es regnet … also packen wir alle Sachen zusammen und verlassen Nakusp in Richtung Revelstoke. Auf dem Weg überqueren wir wieder mit der Fähre den See und erreichen nach einer recht ereignislosen Fahrt Revelstoke. Bei dem nasskalten Wetter gönnen wir uns erst mal eine kleine Pause und einen großen Kaffee in einer bekannten Kaffeekette. Nachdem die Story aktualisiert ist und die Anfahrt zur nächsten Unterkunft klar ist, ist auch der Kaffee leer und es geht weiter.

Reiseroute von Nakusp nach Golden
Quelle: Google Maps

In Revelstoke beginnt der „erste“ Nationalpark – der Mount Revelstoke Nationalpark. Anfang Juni konnten wir ihn fast getrost links liegen lassen – die meisten Straßen auf den Berg waren noch gesperrt. Wir sind also direkt auf den Trans-Canada-Highway und am Nationalpark entlang gefahren. Viel konnten wir leider nicht sehen … Einen kurzen Zwischenstopp wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen: Giant Cedars Boardwalk Trail. Der Trail liegt tatsächlich im Nationalpark, daher brauchten wir an diesem Tag zum ersten Mal unseren Discovery Pass. Mit dem Pass hat man ein Jahr lang Zugang zu allen Nationalparks in Kanada. Wir haben uns den Pass vorab online bestellt, es gibt aber auch vor Ort die Möglichkeit Tagestickets oder den Jahrespass zu kaufen – zum Beispiel auch auf dem Parkplatz der großen Zedern. Das Jahresticket lohnt sich ab sieben Tagen in den Nationalparks – bei uns waren es acht Tage.
Selbst im Regen hat sich der kleine Spaziergang über die Holzwege unter den mächtigen Zedern absolut gelohnt.

Nach einem Mittagessen im Auto (Regen …) geht es weiter – immer höher in Richtung Glacier Nationalpark. Langsam aber sicher mischen sich unter die vielen Regentropfen ein paar Schneeflocken und wir sind froh, dass wir ein neues und gut motorisiertes Auto haben um die Bergstraße weiter hoch zu klettern. Auf dem Parkplatz von unserem zweiten Zwischenstopp des Tages liegt sogar bereits eine dünne Schneeschicht. Ach, davon lassen wir uns doch nicht abhalten – Jacken an und los geht’s! Auf dem Loop Brook Trail lernen wir etwas über den Bau der Eisenbahn durch die Rockies und die ersten Touristen und Bergsteiger in der Region. Nebel und Schnee schaffen eine mystische Stimmung:

Von den namensgebenden Gletschern sehen wir immer nur eine kleine Ausschnitte – meistens ist es auch zu ungemütlich zum Anhalten und Aussteigen … Trotzdem gibt es noch einen dritten Halt, nach dem höchsten Punkt der Strecke: den Bear Creek Falls Trail. Die kurze Wanderung führt recht steil an den Fluss zu einem beeindruckenden Wasserfall. Bei dem Wetter sind wir auf dem gesamten Weg niemand begegnet und konnten uns wieder schön gruseln ob nicht doch ein Bär hinter der nächsten Kurve lauert – bei dem Namen der Wanderung! – Nein, kein Bär in Sicht.

Dafür entscheiden wir uns nach dem Überqueren einer Zeitzone (eine Stunde mehr Zeit gewonnen!) noch dazu ein anderes Raubtier näher kennenzulernen und fahren zum Northern Lights Wildlife Wolf Centre. Die Wölfe aus nächster Nähe zu sehen und über ihre bewegte Geschichte in Kanada zu erfahren war für uns auf jeden Fall interessant. Ob sich der Einritt von 12 Dollar pro Person für zwei einfache Gehege mit sechs Wölfen lohnt, muss jeder für sich entscheiden – wir haben es als Spende verbucht. 😉

Wow, das war doch ganz schön viel für einen Tag – zum Glück ist die nächste Unterkunft direkt um die Ecke. Die wunderschöne kleine Hütte liegt umgeben von Bäumen mit einem tollen Blick auf die Berge – zumindest gegen Abend erahnen wir auch kurz, dass wir nun langsam in Golden den Rockies ganz nah sind.

Natürlich kann ich es doch nicht lassen und muss den Wetterbericht für den nächsten Tag checken, schließlich stehen 12 km Wanderung mit einem großen Rucksack zu einer Hütte des kanadischen Alpenvereins an und es hat ja schon viel geschneit … Urgs, 7° und Schneeregen – die Stimmung beginnt etwas zu kippen, ich werde nervös und das Gedankenkarussell beginnt sich zu drehen. Die Nacht ist dementsprechend kurz und unruhig – das hätte ich mir echt sparen sollen … Nun ja, nach einem stärkenden Frühstück und Tanken geht es durch Golden und in den Yoho Nationalpark. Und die ersten zwei Ziele sind schon mal sehr vielversprechend: die Natural Bridge und der Emerald Lake sind super schön und es ist noch nicht so viel los.

Und dann sind sie plötzlich da – direkt neben der Straßen und gleich drei Stück: Bären! Eine Mutter mit zwei Jungtieren spaziert direkt am Straßenrand entlang. Zum Glück gibt es direkt auf der anderen Seite einen großen Parkplatz – Jonas verkneift sich geistesgegenwärtig die Vollbremsung auf dem Highway und biegt rechts auf den Parkplatz ab. Von dort können wir die Bären in sicherem Abstand beobachten und fotografieren – natürlich gibt es trotzdem einige Touris die meinen direkt neben den Bären anhalten zu müssen … Da wir dann nichts mehr sehen, besuche ich das Infozentrum des Nationalparks (zu dem der Parkplatz praktischerweise gehört) und erfahre, dass auf Straße zum Lake O’Hara bestimmt kein Schnee liegt. Lediglich die letzten Meter hoch zur Hütte könnten etwas vereist sein – Erleichterung!

Nachdem wir den Punkt „Bären sehen“ nun auch bereits von der Bucketlist streichen können, fahren wir am nächsten Schwarzbären lässig vorbei und erreichen den Parkplatz für unsere Wanderung zum Lake O’Hara. Wir hängen unsere beiden Blechtassen außen an Jonas‘ Rucksack, sodass sie beim Laufen schön aneinander klappern – unser improvisiertes Bärenvorwarnsystem (also wir wollen damit die Bären warnen, dass wir kommen). Denn die netten Damen von Parks Canada waren sich sicher, dass auf der Straße kein Schnee liegt, sie waren sich aber auch sicher, dass in der Gegend einige Bären unterwegs sind – auch und gerade auf der Straße. Ist ja auch bequemer für die Bären… Voll gepackt und aufgeregt geht es also endlich los.

Zum Glück weisen kleine Schilder an den Bäumen die geschafften Kilometer aus und ermöglichen es früh Pausen auszuhandeln …
Ich: Nach 4 km.
Er: Nach 6 km.
Ich: Äh, dann gibt es aber nur eine Pause.
Er: Genau.
Ich: 5 km.
Er: Deal!
Disclaimer: Tatsächlich wäre nach 6 km auch gegangen und dort gibt es praktischerweise auch ein paar Picknicktische auf einer größeren Lichtung. Auf den letzten Kilometern kommt dann tatsächlich der angekündigte Schneeregen und verwandelt sich gegen Ende in einen kleinen Schneesturm. So ist der erste Blick auf den See eher „moddy“ als episch.

Schnell weiter zur Hütte! Dort endlich angekommen sind wir ganz begeistert von der tollen Ausstattung der Elizabeth Parker Hut: gemütliche Bunks, große Tische mit Bänken, eine große Feuerstelle (Jonas macht natürlich direkt Feuer), Gasleuchten, eine große Küche und sogar Spiele und eine Gitarre. Cool! Im Winter können in den zwei Hütten insgesamt 20 Personen übernachten – da es Wochenende ist, sind wir auch so viele Leute und nach und nach lernen wir die anderen Gäste kennen. Es sind alles Kanadier in unserem Alter die einen Wochenendausflug machen. Wir unterhalten uns sehr gut bis spät in die Nacht.
Aber eigentlich sind wir ja noch nicht soweit. Erst mal hört es auf zu schneien und draußen erahnen wir wo wir nun eigentlich hin gelaufen sind:

Die Elizabeth Parker Hut liegt auf 2.040 m Höhe umgeben von den Rocky Mountains. Nur wenig unterhalb liegt der wunderschöne Lake O’Hara. Den müssen wir in einer Schneepause auch gleich umrunden und freuen uns ein Loch in den Bauch: der See und die umliegenden Berge scheinen nur uns zu gehören:

Den Abend verbringen wir mit quatschen, Tee trinken, am Feuer sitzen, uns freuen, dass wir es geschafft haben, traurig sein, dass wir keine Snacks mitgenommen haben und Snacks schnorren bei den Kanadiern. Schlafen – in bisschen … auch in dieser Hütte gibt es muntere Mäuse und wenn die Blase drückt … muss man wohl oder übel raus in den Schnee, durch dunkle Bäume laufen (es gibt hier Bären!) und auf ein Plumsklo. Ja, auch das gehört zur „Hüttenromantik“. Am Morgen reicht es mir irgendwann und wir stehen auf und machen noch eine kleine Wanderung zum Mary Lake. Die Wanderung zum Aussichtspunkt über die Seen fällt für uns leider aus – andere haben sie gemacht, entweder mit Schneeschuhen oder sie sind bis zu den Knien im Schnee eingesunken (und darunter hat man Wasser rauschen gehört?!) – das ist uns zu riskant, schließlich wollen wir noch mehr von den Rockies entdecken.

Der Rückweg verläuft bis auf die Tatsache, dass ich leider meine Wasserflasche im Schnee vergessen habe, ereignislos. Die letzten Kilometer ziehen sich und wir sind froh, als wir das Auto bei schönstem Sonnenschein erreichen. Zur Belohnung geht es in ein Restaurant in Field. Dort treffen wir zufällig auch zwei Wanderinnen wieder, die mit uns auf der Hütte übernachtet haben und uns das Restaurant empfohlen haben. Das Essen und der warme Kaffee tun sooo gut!

Und den Kaffee brauchen wir auch – das tolle Wetter wollen wir so gut es geht noch nutzen und zufälligerweise liegen auf unserem Weg zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit noch zwei der bekanntesten, wenn nicht sogar die bekanntesten, Sehenswürdigkeiten der kanadischen Rockies. Die Parkplätze sind während der Hauptsaison eigentlich „dauervoll“ – zu sehen in den Live-App von Parks Canada. Allerdings sagten die Einheimischen uns, dass es nach 16 Uhr besser wird. Also machen wir ein Nickerchen im Auto und fahren dann gemütlich zum Moraine Lake. Viel dazu schreiben brauche ich eigentlich nicht – ja, es ist voll und touristisch, schließlich kann man quasi direkt am See parken, aber die Fahrt und der See sind einfach nur umwerfend schön:

Weiter geht es direkt zum Lake Louise – heute gönnen wir uns so richtig Eyecandy. Hier ist nicht nur der Parkplatz direkt neben dem See, sondern auch ein riesiges Hotel – ein Wahrzeichen der Region und eines der ältesten Gebäude Kanadas. In den Reiseführern steht, dass man zahlreiche schöne Wanderungen machen kann und schnell dem Trubel am See entkommt. Unser Schrittziel ist bereits mehr als erreicht und die Bärengeschichten der anderen Wanderer waren meistens in unmittelbarer Nähe zu genau diesem Hotel… Wir wollen unser Glück also nicht überstrapazieren und begnügen uns mit den Standard-Fotos und Selfies.

Danach geht es endlich Richtung Bett, aber selbst das letzte Stück der Straße ist einfach so wunderschön, dass man an jeder Ecke anhalten will…

Unsere Betten stehen für zwei Nächte in einem OTENTik auf einem Campingplatz in Banff. Dort angekommen spazieren Rehe und Wapitis über den Platz. Unser „Zelt“ ist beheizt, beleuchtet, hat einen eigenen kleinen Balkon, eine Feuerstelle (mit Holz), einen Gasgrill und „Vorhänge“ mit denen es drinnen schön dunkel wird. Das nenne ich mal Glamping – tatsächlich haben wir hier ausgesprochen gut geschlafen.

Lebensmittel dürfen auf keinen Fall mitgenommen werden ins Zelt. Alles muss im Foodsafe verstaut werden, damit kein Wildlife angelockt wird. Wie es uns bei der Suche nach Wildlife in Banff und Jasper ergangen ist, berichte ich euch im nächsten Beitrag. Bis dahin, viele Grüße, Franzi.

Ein Gedanke zu “Drei Wochen in Kanadas Westen – die kanadischen Rockies Yoho und Banff

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