Sao Miguel Sete Cidades

Auf der Suche nach Klein-Neuseeland in Europa: São Miguel die größte Insel der Azoren

Das Azorenhoch bringt warme Luft nach Europa – die Azoren hatte ich nur im Wetterbericht gehört. Aber Anfang des Jahres bin ich auf einen Blog-Beitrag gestoßen in dem die Autorin nicht nur von tollen Wanderungen berichtete, sondern diese auch mit grünen Farn-Bäumen und dampfenden Schwefelseen bebilderte. Wenn da mal nicht Neuseeland-Erinnerungen aufkommen. Also hin!

Die Azoren liegen etwa 1.300 km westlich vom europäischen Festland, quasi auf dem Weg Richtung USA/Kanada. Zum portugiesischen Insel-Archipel gehören insgesamt neun größere Inseln. Wir sind mit einem Direktflug von Frankfurt nach Ponta Delgada, der Hauptstadt der größten Insel São Miguel, geflogen. In zehn Tagen haben wir „nur“ São Miguel erkundet. Die Zeit hat gut ausgereicht um die gesamte Insel zu erkunden. Wir waren froh, dass wir uns nicht dazu entschieden haben noch eine andere Insel zu bereisen, denn São Miguel hat schon sehr viel zu bieten. Und einiges davon hat uns tatsächlich sehr stark an Neuseeland (in klein) erinnert:

Sonnenuntergang auf Sao Miguel auf den Azoren

Geothermische Phänomene

Die geothermischen Phänomene in Neuseeland rund um Rotorua haben bei mir einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen. Und ihr könnt euch nicht vorstellen wie glücklich es mich gemacht hat, wieder diesen schwefeligen Duft einzuatmen. Die kleinen blubbernden und dampfenden Caldeiras rund um Furnas waren mein Highlight der Azoren. Und wie in Neuseeland werden die heißen Quellen auch auf den Azoren für ein warmes (oranges!) Bad und zum Kochen genutzt. 🙂

Schwarze Sandstrände

Die geothermischen Aktivitäten verraten es schon – die Azoren bestehen aus Vulkanen. Die meisten von ihnen sind schon tausende Jahre erloschen und das schwarze Lavagestein ist zum Teil vom Meer zu Sand gemahlen worden. Dadurch entstehen tolle schwarze Sandstrände – auch wenn sich der raue Atlantik leider nicht so gut zum Baden geeignet hat.

Whalewatching – Wal-Beobachtung

Nachdem wir bereits in Neuseeland zwei Pottwale gesehen haben, haben wir uns auf den Azoren wieder auf eine Wal-Beobachtungstour begeben. Dort ziehen im Frühjahr und Herbst einige Wale vorbei, sodass man auch andere Arten sehr gut beobachten kann. Aber die Pottwale fühlen sich in den Gewässern um die Azoren fast das ganze Jahr über wohl und sind daher quasi Stammgäste. Das Boot war deutlich kleiner und leichter als in Neuseeland. Es war ein gut motorisiertes Schlauchboot mit insgesamt 14 Personen an Board. Das „Spotting“ der Wale und Delfine wird von Land aus gemacht – früher wurden die Wale so gejagt, heute fahren nur noch die Touristenboote raus. Das klappt natürlich nur, wenn das Wasser halbwegs flach und die Sicht gut ist. Wir hatten mega Glück, denn das Meer war sehr flach und wir hatten so auch eine angenehme Bootsfahrt. Wir sind ein großes Stück raus gefahren auf das offene Meer und haben lange gar nichts gesehen. Plötzlich konnten wir in einiger Entfernung Wale aus dem Wasser springen sehen. Alle waren sofort total aufgeregt, aber wir durften uns nicht zu schnell nähern. Nach kurzer Zeit hatten wir die Wale erreicht – insgesamt fünf Tiere – vermutlich zwei Weibchen und drei Jungtiere. Sie schwammen friedlich nebeneinander her und wir mit unserem kleinen Boot daneben. Was für ein Anblick!

Plötzlich tauchten die zwei großen Tiere ab zum Jagen. Pottwale jagen in bis zu 1.000 m Tiefe. So tief können die Jungtiere noch nicht tauchen – sie bleiben also an der Wasseroberfläche und warten bis die anderen zurück kommen. Aber bereits nach Sekunden haben sie ihr Verhalten geändert. Ohne „die Alten“ begannen sie enger zusammen zu schwimmen und sich gegenseitig anzustupsen. Als würden sie zusammen spielen! Und es wurde noch besser: sie hoben immer wieder ihre Schwanzflosse aus dem Wasser und schlugen damit auf das Wasser – so lange bis auch jeder mal ein schönes Foto hin bekommen hatte. What a treat!

Geht es noch besser? Oh ja! Irgendwann dachten wir „jetzt sind sie weg“ und blickten uns um … da sprangen die Wale auf der anderen Seite vom Boot aus dem Wasser! In einigem Abstand zum Boot, aber deutlich näher als bei der ersten Sichtung. Wir waren einfach nur sprachlos:

Pottwale auf den Azoren

Wunderschöne Wasserfälle

Hübsche Leuchttürme

Und: São Miguel ist soooo grün

Auf unserem ersten Roadtrip mussten wir fast an jeder Brücke über die völlig bewachsenen Flusstäler anhalten, weil es einfach so wunderschön war. Und wenn man aussteigt, dann duftet es wie im Gewächshaus.

Interessante Höhlen

In der Nähe der Haupstadt Ponta Delgada gibt es eine öffentlich zugängliche Höhle, die „Gruta do Carvão“. Eine Besichtigung des Lavatunnels kostet 5 € pro Person und ist inklusive einer englisch-sprachigen Führung. Auf den Azoren gibt es überall solche Höhlen, dies ist aber die einzige, die für Touristen zugänglich ist. Bei einem Vulkanausbruch ist hier heiße Lava geflossen. Außen erkaltete die Lava sehr schnell und bildete den Tunnel. Im Inneren blieb die Lava heiß und floss langsam weiter ins Meer. An den Wänden des Tunnels kann man daher noch die Tropfen der ehemaligen Lava erkennen. Die Höhle ist nicht sonderlich groß und die Führung dauert daher auch nicht so lange, aber ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Besonders an einem wolkenverhangenen Tag, wenn ein Besuch bei den diversen Kraterseen keine Aussicht verspricht.

Bunte Kraterseen

Und hier kommen die oben bereits erwähnten bunten Kraterseen – mit nur wenig Wolken. ^^ Das Wetter ist auch so eine Sache auf den Azoren. Meistens war es schwül-warm und irgendwo auf der Insel gab es immer Wolken und Regen. So ist das die meiste Zeit – sonst wäre die Insel ja nicht so grün. ^^ Aber es lohnt sich auf jeden Fall die Wolken zu beobachten um abzuschätzen, ob sich die Fahrt auf den Berg zu den Sete Cidades oder dem Lagoa do Fogo lohnt.

Was es in Neuseeland nicht gibt … Teeplantagen!

Tatsächlich hat São Miguel sogar noch mehr zu bieten! Zwei von drei Teeplantagen in Europa beispielsweise. Man kann ganz unkompliziert einen Spaziergang durch die Felder machen und auch die kleinen „Fabriken“ besichtigen – eine kostenlose Teeprobe immer inklusive. Besonders bei den zwischenzeitlichen Regenschauern war das eine willkommene Abwechslung für uns. 😉

Landschaftlich hat uns São Miguel voll und ganz überzeugt. Einen kleinen Abstrich mussten wir bei der Unterkunft machen. Unser erstes Ferienhaus war leider völlig verschimmelt – ein häufiges Problem, schließlich liegt die Luftfeuchtigkeit fast dauerhaft über 70 % … Zum Glück konnten wir einen Teil unserer Übernachtungen stornieren und haben den Rest unserer Zeit in einem schönen sauberen Häuschen verbracht. Hier wurden wir allerdings immer morgens um kurz vor sieben von der Melkmaschine geweckt (die dann eine Stunde lief!). Nun, auf jeden Fall besser als Schimmel und es gab drei junge Kätzchen in der Nähe. ❤ Und wenn man früh aufsteht, kann man den Tag über viel erleben und das haben wir auf den Azoren definitiv. 🙂 Liebe Grüße von Franzi

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