Drei Wochen in Kanadas Westen – Abenteuer auf Vancouver Island

Drei Wochen in Kanadas Westen gehen zu Ende. Die letzte Station der Reise haben wir auf Vancouver Island verbracht. Auch hier kann sich die Tier- und Pflanzenwelt mehr als sehen lassen und wir haben unser kulinarisches Highlight verspeist.

Der erste Morgen auf Vancouver Island startet entspannt mit einem englischen Frühstück auf dem Balkon in der Sonne. Auch die Inselbewohner haben Hunger – zahlreiche Vögel fliegen im Garten umher und auch ein Reh spaziert direkt am Haus vorbei. Das hat man übrigens auch auf dem Hühnerfoto im letzten Beitrag gesehen. 😉

Wir verbringen den Morgen mit Wäsche waschen und füllen unsere Vorräte auf – yay wir haben einen Gefrierschrank und einen riesigen Kühlschrank und können uns Eis und Alkohol kaufen! ^^

Nach einem ausgiebigen Lunch machen wir uns auf den Weg zurück nach Nanaimo. Denn dort haben wir für den Nachmittag eine Whalewatching-Tour gebucht und wollen nun endlich Orcas in freier Wildbahn sehen. Im winzig kleinen Tour-Büro werden wir erst mal ausgestattet mit dicken warmen Anzügen und Schutzbrillen. Anschließend marschieren wir damit die Straße runter zum Hafen. Puh – ist das heiß! Aber sobald das kleine Renn-Schlauchboot los fährt sind wir sehr froh über den schützenden Anzug, denn der Wind peitscht uns ganz schön um die Ohren.

Zuerst fahren wir zu einer Kolonie Seelöwen. Sie liegen auf einer felsigen Insel und machen einen ganz schönen Lärm. Toll, dass wir sie aus nächster Nähe sehen können! Die Guides weisen uns darauf hin, dass wir immer Ausschau halten sollen nach Seelöwen oder Robben, schließlich sind sie das bevorzugte Beutetier der „Killerwale“ – die wir ja eigentlich sehen wollen.

Trotzdem werden wir langsam nervös – wir sind schon eine ganze Weile unterwegs und von Walen keine Spur. Endlich werden die Guides spürbar hektischer – wir sind wohl nah dran. Noch unter der Stromleitung durch und dann wird das Boot langsamer und wir halten Ausschau. Da hinten, ganz nah an der Küste einer Insel steigen Luftfontänen auf. Dort müssen sie sein! Wir fahren minimal näher ran und können zum ersten Mal die Orcas erahnen:

Und dann sagt man uns „Näher dran dürfen wir nicht fahren“. Ein wenig Enttäuschung macht sich breit – ohne mein Teleobjektiv könnte ich sie kaum sehen! Aber wir haben ja eine Stunde Zeit, um die Gruppe zu begleiten. Und tatsächlich haben wir Glück – die Meerenge zwischen den Inseln wird schmaler und die Wale ziehen mehr in unsere Richtung. Zeitweise sind sie länger unter Wasser und es ist soooo spannend wann und wo sie wohl wieder auftauchen. Nach einer Weile kommen auch zwei andere Walbeobachtungsboote und die Wale wechseln auf die andere Seite – kurzzeitig tauchen sie super nach an unserem Boot auf!

Während die Kamera klickt ohne Ende, erzählen uns die Guides etwas über die Wale. Die Gruppe ist bekannt und besteht aus insgesamt neun Tieren. Es sind Alpha-Weibchen mit Jungtieren in verschiedenen Altersstufen. Die männlichen Jungtiere bleiben lange bei Ihrer Mutter um alles wichtige zu Lernen. Die Jungtiere müssen noch deutlich häufiger auftauchen als die alten Tiere, deshalb sieht man sie deutlich häufiger.

Die Infos die wir zwischendurch aufschnappen sind super spannend – rund um Vancouver Island haben sich unterschiedliche Gruppen gebildet. Ein Teil frisst nur Fisch und ein anderer nur Robben und Seelöwen. So entsteht weniger Konkurrenz. Den Hammer finde ich, dass die Beute die Arten unterscheiden kann – eine Robbe weiß, vor welcher Art sie fliehen muss und vor wem sie nichts zu befürchten hat. Krass, oder?! Nachdem unsere Stunde um ist, geht es langsam zurück. Auf dem Weg beobachten wir noch ein paar Weißkopfseeadler – sie sitzen auf den zahlreichen Baumstämmen die im Wasser beim Sägewerk gelagert werden. Außerdem fahren wir an einer Insel mit einer großen Kolonie Kormorane und bizarren Felsformationen vorbei – ein schöner Abschluss!

Die Guides erzählen uns auch, was man tun kann, um die Orcas in Kanada zu schützen. Zum Beispiel keinen Lachs aus Lachszuchten kaufen und essen – puh, noch mal Glück gehabt. In unserem Kühlschrank wartet ein köstliches Stück Lachs auf uns, es stammt aber aus zertifiziertem Wildfang. Und so lassen wir uns den gegrillten Lachs zusammen mit Reis, Weißweinsoße und einem Salat schmecken. Unser bestes Abendessen in Kanada. ❤

Am nächsten Morgen lacht wieder die Sonne und wir lassen es ruhig angehen. Jonas hat sich in der Nacht spontan eine Angellizenz für Salzwasser auf Vancouver Island gekauft und wir fahren nach dem Frühstück langsam die Küste entlang und probieren verschiedene Angelspots aus, die auf der Karte vielversprechend aussahen. Ich beobachte währenddessen jede Menge Weißkopfseeadler, Muscheln und anderes Getier im Wasser.

Tatsächlich beißen beim zweiten Spot die Fische – nur sind sie wohl etwas größenwahnsinnig, denn die Fischchen sind kaum größer als der Köder und werden alle wieder zurück ins Wasser befördert.
Also gibt es doch die mitgebrachten Cracker mit Käse und Gemüse zum Lunch und keinen frisch gefangenen Fisch. 😉

Weiter geht es zum Seal Bay Nature Park. Robben oder Seelöwen sehen wir hier keine – ebenso wenig an einem Mini-Hafen bei dem eine schwimmende Anlegestelle angeblich übersät ist mit Seelöwen. Hier kleben nur fette lila Seesterne an der Kaimauer, aber im Seal Bay Nature Park ist die Natur wirklich beeindruckend! Neben zahlreichen Spechtarten sehen wir auch Weißkopfseeadler aus nächster Nähe – wow!

Wir versuchen früh ins Bett zu gehen um am nächsten Morgen früh los zu kommen – vor uns liegt eine lange Fahrt nach Tofino. Der zweite Ort, den einem gefühlt jeder Kanadier und Tourist gleichermaßen empfiehlt. Leider haben wir keine Übernachtung eingeplant, daher müssen wir die 170 km hin und zurück an einem Tag fahren. Erschwerend hinzu kommt die extrem schmale und kurvige Straße und eine Baustelle die man nur zu bestimmten Uhrzeiten überhaupt passieren kann. Wir stehen erst mal 20 Minuten an und warten.

Anschließend düsen wir schnell ins Infozentrum von Parks Canada und informieren uns, bis wann wir zurück fahren können/müssen (vor der Schließung der Straße für die Nacht) und wo wir überall wandern gehen können. Der beliebteste Track ist leider gesperrt, also starten wir im Regenwald. Die Urwaldriesen sind wirklich beeindruckend und noch viel faszinierender ist die kleine Fauna drum herum. Außerdem liebe ich es auf den Holzbretterwegen zu gehen und quasi über dem Boden zwischen den Bäumen und Pflanzen „zu schweben“. Ein toller Start!

Die nächste kurze Wanderung führt uns durch den Wald an den Strand. Dafür ist die Gegend berühmt – dichte und ursprüngliche Wälder gehen über in schier unendliche lange weiße Sandstrände. Richtig idyllisch – wäre es nicht die meiste Zeit nass und kalt oder wie in unsere Fall super windig.

Nach einem stärkenden Picknick wagen wir uns an die wohl außergewöhnlichste Tour, die wir je gegangen sind. Es geht zu einem Flugzeugwrack! Und ja, es gibt einen offiziellen Weg dorthin, aber die Wegbeschreibung liest sich wie eine Schnitzeljagd. Parken und dann an der Straße entlang bis zum fünfzehnten Strommasten laufen. Dort markiert ein Flugzeug im Holz den Eingang zum Weg – ah wie aufregend! Der Anfang des Weges ist perfekt ausgebaut, aber nach dem ersten gruseligen Zwischenstopp in einem verlassenen Haus beginnt das Abenteuer. Es geht bergab, über Wurzeln und Steine, über Bäume und riesige Holzplanken, die wohl in Zukunft einmal den Weg befestigen sollen. Der aktuelle „Weg“ wird von bunten Bändern an Bäumen markiert, man muss ständig auf der Hut sein den Weg nicht zu verlieren. Und ja, am Ende in der Ebene wird es auch noch matschig. Wir versuchen den stinkenden Schlammlöchern auszuweichen – auf dem Rückweg gelingt mir das nicht ganz und ich versinke bis zur Wade im schwarzen Modder – bäh! Aber der Weg lohnt sich – kurz bevor ich wirklich aufgeben will erscheinen die ersten Teile auf dem Boden und plötzlich liegt da ein kleines Flugzeug zwischen den Bäumen! Jonas beginnt sofort darauf herum zu klettern. Meine Aufmerksamkeit wird von etwas anderem auf sich gezogen: einer ganzen Familie Diademhäher (Steller’s Jay) die lautstark von Baum zu Baum hüpfen und fliegen. Ein neuer Vogel!

Nachdem ich den „perfekten Shot“ im Kasten habe, erkunde ich auch das Wrack. Die Maschine ist 1945 bei schlechtem Wetter abgestürzt und es ist einfach unglaublich wie detailliert alles erhalten und erkennbar ist. Ein wirklich unglaublich skurril-schöner Ort!

Weiter geht es auf dem Weg nach Tofino. Wir stoppen noch an ein paar Aussichtspunkten und Stränden, aber durch den Wind wollen wir nirgends so richtig lang verweilen – hehe doch, in einem Souvenirshop. ^^

Nach längerem Hin und Her bezüglich Abendessen entscheiden wir uns für den einfachen, aber sehr gut bewerteten Grill „Wildside“ direkt an der Straße. Was für eine gute Entscheidung – die coole Location liegt absolut windgeschützt und das Essen schmeckt mega lecker. Und direkt nebenan gibt es köstliches Eis – bestimmt eins der besten, serviert von den langsamsten Verkäuferinnen des ganzen Landes. ^^ Ein perfekter Abschluss. Wir verabschieden uns vom Meer und machen uns dann schon wieder auf den laaangen Heimweg.

Unglaublich aber wahr – auf dem Rückweg sehen wir, dass es auf der anderen Seite der Insel geregnet hat, nur nicht bei uns im Regenwald – was für ein Glück!

Dann heißt es auch leider schon Reste auffuttern und packen, denn am nächsten Tag geht schon unsere Fähre zurück nach Vancouver. Wir haben die letzte Unterkunft in der Nähe des Flughafens gebucht und uns für die Überfahrt von Swartz Bay nach Tsawwassen entschieden. Das gibt uns die Möglichkeit quasi auf dem Weg noch die Hauptstadt von British Columbia zu erkunden: Victoria.

Quelle: Google Maps

Erneut begrüßen uns blauer Himmel und Sonnenschein und wir erreichen die Stadt um die Mittagszeit. Die kleine Hausboot-Kolonie ist super süß und die Restaurants sehen wirklich einladend aus, aber wir haben ein Picknick dabei. Nach dem Essen im Park nebenan fahren wir mit einem der kleinen Aqua-Taxis auf die andere Hafenseite nach China Town und schlendern dann den Weg zurück zum Auto. Die Stadt gefällt uns ausgesprochen gut – überall versteckte Gassen, coole Läden und Restaurants und ein kleiner Kunsthandwerk-Markt. Daneben die Kunst der First Nations und die Prachtbauten der ersten weißen Siedler – eine tolle bunte Mischung!

Wir fürchten uns erneut vor dem Feierabendverkehr in der Stadt und machen uns frühzeitig auf den Weg zum Fährterminal. Die berühmten Butchart Gardens schaffen wir leider nicht mehr zu besichtigen, aber um ehrlich zu sein haben uns die Eintrittspreise auch etwas abgeschreckt.
Die Fahrt mit der Fähre ist erneut ein Highlight. Wir fahren zwischen zahlreichen Inseln hindurch und können die Landschaft noch mal vom Wasser aus bewundern.

Nach einem einfachen Abendessen in Denny’s – dem kanadischen Diner, und letzten Besorgungen nutzen wir unsere letzte Unterkunft hauptsächlich zum Packen und um unsere letzten alkoholischen Getränke zu vernichten. ^^
Am nächsten Morgen wagen wir noch einen kurzen Abstecher zum Strand – hier gibt es erneut viele tolle Vögel zu sehen, leider auch jede Menge Mücken und das Spray ist schon längst eingepackt … Die Stiche jucken auf dem Rückflug mächtig. 😦

Und auch die Sitze sind super eng (letzte Reihe) und der Flug scheint nicht rum zu gehen. So sind wir am Ende doch ein kleines bisschen froh zurück zu Hause zu sein, auch wenn wir unsere Abenteuer in Kanada bestimmt nie vergessen werden. ❤

Viele Grüße von Franzi

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