Roadtrip Australien

Abenteuer Down Under: Off the beaten path

Nachdem wir uns also entschieden haben weiter in Australien zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen, geht unser Roadtrip endlich richtig los. Wir halten uns an der Küste und fahren von Adelaide immer weiter in Richtung Melbourne. Eigentlich wollten wir hier nicht so viel Zeit verbringen, aber wir lassen es langsam angehen.

Roadtrip Südaustralien
Quelle: Google Maps

Nachdem Jonas auch beim morgendlichen Angeln erfolglos war, fahren wir weiter. Wir sehen nun immer häufiger und näher Kängurus und freuen uns über jedes einzelne. Spontan entscheiden wir uns dem Deep Creek Conservation Park einen Besuch abzustatten. Wir fahren rein und immer in Richtung „Office“.

Deep Creek Conservation Park

Dort angekommen begrüßen uns lediglich ein paar Kängurus die wir sehr nah beobachten können. Ein Mensch scheint nicht vor Ort, aber wir müssen für den Tag eigentlich Eintritt bezahlen. Tatsächlich finden wir einen winzigen Spot in dem wir noch mobile Daten empfangen und buchen das Ticket online. Das ist wohl ob mit oder ohne Corona eh die Regel. Viele Buchungen zum Beispiel auch von Campingplätzen kann man gar nicht mehr vor Ort machen. Man bucht online oder am Telefon. Wie gut, dass wir gleich zwei Simkarten mit großzügigen 45 GB mobilem Datenvolumen haben. Bis auf die Kängurus und zwei Arbeitern die Büsche schneiden, scheint der Park ausgestorben zu sein. Wir fragen uns (später immer wieder) – wegen Corona oder wegen der Nebensaison?!

Relativ planlos suchen wir uns einen machbaren Bushwalk raus und steuern den Parkplatz an. Der Weg führt uns recht steil hinab in Richtung Meer.

Beim ersten Aussichtspunkt bin ich enttäuscht: Das hatte ich mir spektakulärer vorgestellt. Wir gehen runter an den Strand voller Felsen und stellen fest – wir sind noch nicht angekommen! Wir müssen erst wieder einen Hügel rauf und die Deep Creek Cove liegt erst in der nächsten Bucht. Wir krabbeln also durch das dichte Gebüsch den Hügel hinauf. Ich muss gestehen – ganz wohl ist mir dabei nicht… Leicht können sich Spinnen und Schlangen in dem dichten Gebüsch verstecken und ich muss ihnen viel zu nahe kommen. Nach einem anstrengenden Aufstieg zieht sich der Hügel noch etwas, bevor wir endlich eine spektakuläre Aussicht haben:

Der Weg nach unten ist hingegen noch steiler als der Weg, den wir bereits gekommen sind. Wir gehen ein bisschen runter und entscheiden uns dann doch dafür umzudrehen. Die Tour ist kein Rundweg – alles was wir runter gehen müssen wir genauso wieder hoch. Die Aussicht war auch so schon toll:

Deep Creek Conservation Park

Da der einzige Picknick-Tisch nun von den zwei einsamen Arbeitern belegt wird, fahren wir zurück zu einem Spot an dem mehr Tische waren. Auf dem Weg sehen wir wieder einige Kängurus:

Die Tische im Busch sind alle frei und wir machen es uns gemütlich. Jonas hat es schon geahnt – es dauert nicht lange und die ersten kleinen Vögel kommen uns besuchen um ein paar Brotkrümel abzubekommen. Was für hübsche Kerlchen! 😉

Nach dem Mittagessen wagen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den sehr ursprünglichen Busch. Es dauert nicht lange, da laufe ich in das erste Spinnennetz – bäh! Ab jetzt muss Jonas vorgehen. Wir stellen fest, dass immer wieder ein zusammen gerolltes Blatt scheinbar über dem Weg in der Luft „schwebt“. Zufall?! Aber nein! Im Blatt sitzen die Spinnen und lauern auf ihre Beute. So cool! In Australien heißen die Spinnen daher auch „leaf curling spider“. Wir müssen leider ein paar Netze zur Seite räumen um den einfachen Rundtrack zu Ende zu bringen.

Es beginnt ein wenig zu regnen und wir fahren weiter nach Victor Habor. Diese kleine Stadt am Meer wurde uns bei der Van-Übergabe wärmstens empfohlen. Schon von weitem sieht man die Besonderheit: auf eine vorgelagerte Insel führt ein laaaanger Steg. Nichts wie rüber!

Komischerweise sind auf dem Steg Schienen – als würde hier eine Straßenbahn hin fahren. Auf der anderen Seite kommt sie uns tatsächlich entgegen. Eine Straßenbahn mit einem PS. ^^

Victor Habor

Cool! Über die Insel führt ein kleiner Spaziergang vorbei an zahlreichen Kunstwerken verschiedenster lokaler Künstler. So bleibt der kurze Walk unterhaltsam, auch wenn es immer mal wieder kurz anfängt zu regnen.

Von der Insel aus gibt es noch einen Steg ins Meer – einen Angelsteg! Praktischerweise hat Jonas die Angel dabei und wirft ein bisschen aus. Fasziniert beobachten wir später einen weiteren Angler. Der junge Australier hat es auf die ganz großen Fische abgesehen – er will eine Hai fangen! Er benutzt sehr große Köderfische die er mit Kabelbindern am Haken befestigt und an die Leine kommt noch ein bunter Luftballon, damit er den Köder weit draußen im Blick behalten kann. Spannend! Und tatsächlich wird auch ein großes Tier angelockt – eine Robbe! Sie schwimmt zuerst etwas um den Steg herum, wittert dann aber wohl den Fisch. Wir beobachten wie sie sich langsam, scheinbar verspielt nähert und dann geschickt den Köder aus dem Wasser wirft und den Fisch frisst. Enttäuscht zieht der Angler seinen leeren Haken und die Kabelbinder wieder ein. Die Robbe ist zu schlau um das mitzufressen. An der zweiten Angel tut sich auch etwas – dieses Mal scheint wirklich etwas größeres dran zu sein. Ein großer Rochen! Jonas fängt ein paar kleine Köderfische und unterhält sich auf Distanz mit weiteren Anglern. Hier sind alle sehr freundlich und unbesorgt über unsere Herkunft. Corona scheint weit weg.

Wir finden auch noch einen tollen Campingplatz direkt am Meer. Hier wird schon von den Besitzern aus viel Platz zwischen den Campern gelassen – sehr angenehm!

Victor Harbor Beachfront Holiday Park

Der erste Weg am nächsten Tag führt uns zu einem Angelladen. Jonas möchte auch gern einen Köder zum Fangen von Tintenfischen und ein paar neue Haken haben. Tatsächlich haben wir die zahlreichen Köder nicht mehr in Australien genutzt. Anschließend fahren wir weiter über eine Brücke zu einer vorgelagerten Insel. Hier beginnt der Coorong National Park. Der Park besteht eigentlich aus jeder Menge Wasser – Salz- und Süßwasser. Wir fahren zur Mündung des Murray River und gehen an dem riesigen Sandstrand spazieren. Hier sind quasi Tag und Nacht Bagger im Einsatz um zu verhindern, dass die Flussmündung versandet … Neben einem Bagger tummeln sich ein paar Robben. Sie springen immer wieder vom Sandrand ins Wasser, als sei es ein Schwimmbad – funny! Anfangs ist es bewölkt, aber später kommt die Sonne raus und wir dehnen den Spaziergang aus, um die Pelikane mehr aus der Nähe sehen zu können. Wie gut – es war (ungeplant) unser einziger längerer Strandspaziergang. Als hätte ich es geahnt nehme ich mal zwei kleine Souvenir-Schneckenhäuser mit.

Nach dem Mittagessen stellen wir fest, dass wir von hier nicht die andere Seite erreichen können und fahren über die Brücke zurück. Wir fahren noch kurz zum Supermarkt – vor allem unsere Alkoholvorräte sind leer… An den zum Teil sehr leeren Supermarkt-Regalen hängen jetzt Limits für verschiedene Produkte – trotzdem ergattern wir hier eine Packung Reis. Und es gibt „Anstehpunkte“ auf dem Boden – bei Wein und Bier keine lange Schlange.

Weiter geht die lange Fahrt um die Insel und die großen Seen drum herum. Eine kleine Abkürzung finden wir doch – mit einer kurzen kostenlosen Fähre geht es über den Murray River.

Nach einem Tankstopp und einer weiteren kurzen Fähre erreichen wir unseren Campingplatz. Eine kostenlose Wiese direkt zwischen zwei Seen. Jonas packt direkt die Angel aus und versucht sein Glück. Hier gibt es nur eine einfache Kompost-Toilette und keinen Empfang. Perfekt, endlich keine abendlichen Corona-News!

Nach einem beeindruckenden Sonnenuntergang lässt sich auch der Sonnenaufgang nicht lumpen – und tatsächlich fängt Jonas einen Fisch! Ein kleiner europäischer Karpfen – den gibt’s zum Abendessen! Zum Frühstück erst mal Pancakes. 😛

Danach geht es weiter durch den Coorong National Park. Vorbei an schier endlos scheinenden (Salz-)seen, zahlreichen Vögeln und Sträuchern.

So richtig viel zu tun und zu sehen gibt es aber nicht. Die Campingplätze erscheinen uns auch zu „remote“ und zu „basic“, also fahren wir immer weiter … Vorbei an einem skurrilen Riesen-Hummer und Kamelen. Tatsächlich gibt es in Australien auch viele freilebende Kamele. In der extremen Dürre wurden sie zum Problem und durften massenhaft geschossen werden – sie haben auf der verzweifelten Suche nach Wasser in Dörfern randaliert … Hier werden die Kamele ihrer Milch wegen gehalten.

Auch im eigentlich sehr touristischen Robe ist alles wie ausgestorben. Wir spazieren umher und genießen die Aussicht auf das türkisfarbene Meer.

Und es geht noch ein bisschen weiter – bis nach Beachport. Hier erwartet uns ein weiteres Highlight Südaustraliens – der längste (Angel-)steg. Nach dem wir uns einen schönen Platz für die Nacht gesichert haben marschieren wir raus. Leider ist es hier so windig, dass wir die anfänglichen Bisse nicht haken können und später auch Material verlieren. Das wird so nichts.

Wir trauen uns abends in die Campküche zum Abwaschen. Außer New South Wales und Victoria wollen alle anderen Staaten ihre Grenzen schließen – genau die beiden Staaten liegen noch auf unserer Route. Australische Reisende freuen sich, dass überhaupt noch Touristen unterwegs sind.

Am nächsten Morgen ist es immer noch windig und zusätzlich bewölkt. Den kleinen Bowman Scenic Drive von Beachport lassen wir uns trotzdem nicht entgehen …

Anschließend fahren wir zu einer Höhle – geschlossen wegen Corona. Auf der Webseite konnte man am Abend noch Tickets kaufen … Wir machen eine kleinen Spaziergang über die Höhlen. Oben angekommen sitzen unsere ersten Wallabys und einem Baum – toll!

Weiter geht es nach Mt Gambier. Hier erwartet uns ein weiteres (nicht geschlossenes) Natur-Schauspiel: Sinkholes! Die Sinkholes sind wunderschön bewachsen und geben tolle Fotomotive ab.

Und um die Stimmung aufzuheitern gibt’s auch einen köstlichen Kaffee – natürlich nur noch to-go mit Warten vor dem Laden. Mt Gambier hat wirklich viel zu bieten – nach einer Spazierfahrt um den Blue Lake und der Campingplatz-Entscheidung für die Nacht …

… fahren wir noch zum „Valley Lake Wildlife Park“. Fast finden wir den Eingang nicht – so gut fügt sich der Park in die natürliche Umgebung ein. Eigentlich ist es auch erst mal nur ein Zaun um einen Teil Natur. Drinnen leben zahlreiche heimische Tierarten ohne weitere Gehege. Wir streifen also durch den kleinen Park und können Kängurus und Wallabys aus nächster Nähe beobachten. Was für ein Spaß!

Der „Pine Country Caravan Park“ ist unser bis dahin schöner Campingplatz. Wir grillen uns ein leckeres Steak in der tollen Outdoor-Küche und sind völlig fasziniert von den Kakadu-Schwärmen in den Bäumen über uns. Am nächsten Morgen kommt doch tatsächlich ein Kaffee-Van auf den Platz und verkauft leckeren Kaffee. Natürlich kann man auch hier (nur) mit Karte zahlen. Was für ein toller Start in den Tag!

Ansonsten verspricht das Wetter wenig Erfreuliches, also fahren wir zurück ans Meer. Jonas hat schon Angelentzug. ^^ Aber auch in Port Macdonnell gibt’s keinen frisch gefangenen Fisch – müssen eben noch mal Fish & Chips her! Und die kleine Fahrt zum Cape Northumberland lassen wir uns auch nicht entgehen.

Wir fahren weiter – zur Sicherheit wollen wir doch noch über die erste Grenze zu einem anderen Staat. Ab dem kommenden Tag gilt die Grenzschließung. Auf dem Weg entdecken wir größere Spuren von vergangenen Buschfeuern und gleich mehrere Echidnas (Ameisenigel). Die mögen wohl das bedeckte Wetter und gehen da gern spazieren.

Nach dieser ersten positiven Überraschung folgt bald die nächste – eine Höhle! Mitten an der Straße und frei zugänglich. Also doch noch ein kleines Höhlenabenteuer – cool!

Und der Tag ist noch nicht rum – wir fahren weiter bis zum Cape Bridgewater. Ein paar Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken und verleihen dem Meer und dem versteinerten Wald eine besondere Stimmung. Wir können sogar in der Ferne ein paar Robben beim Wellensurfen beobachten und ein Wallaby springt über die Felsen.

Unglaublich, was man alles an einem Tag erleben kann! Wir übernachten auf einem einsamen Campingplatz mit Meerblick – ein bisschen unheimlich ist es uns schon mit den vielen leeren Gebäuden um uns herum. Am nächsten Morgen sammelt der Besitzer das Geld ein – wir müssen es in eine Tasche werfen, damit er es nicht anfassen muss …

Am Leuchtturm von Cape Nelson herrscht ebenfalls gespenstische Leere. Der kurze Weg zur Kolonie von Bastölpeln am Point Danger ist sogar wegen Corona geschlossen … 😦

Ich habe genug von moody Meer, Wolken und geschlossenen Attraktionen. Also steuern wir nun den Grampians National Park an. Die nächsten Tage soll das Wetter dort schön sein und ich habe ein paar Wanderungen raus gesucht. Davon konnten wir einige machen! Bleibt gesund und bis bald, Franzi

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