Abenteuer Down Under: Stuck im Grampians National Park

„You’re stuck“ – es gibt sicherlich schlechtere Orte als den beeindruckenden Grampians National Park und den mehrfach ausgezeichneten „Halls Gap Lakeside Tourist Park“ um diesen Satz zu hören. Wie es dazu kam und was wir daraus gemacht haben.

Nach den ersten Enttäuschungen über geschlossene Touristen-Attraktionen begeben wir uns wieder auf die Straße und fahren in Richtung Grampians National Park. Es ist schon skurril, wie sich plötzlich Berge aus der sonst recht flachen Farm-Landschaft erheben.

Das Wetter ist weiterhin „ausbaufähig“, daher legen wir erst mal einen Stopp bei der Touristen-Info von Dunkeld (geschlossen, aber es gibt draußen eine kostenlose Karte) und der „Old Bakery“ ein. Hier gibt’s einen Kaffee, einen Brownie und den köstlichsten Pie to-go.

Tatsächlich heitert sich, je weiter wir in den Park fahren, das Wetter auf und plötzlich scheint die Sonne!

Ich versuche parallel einen Campingplatz für die Nacht zu buchen. Doch die Internetverbindung ist super schlecht und nichts klappt. Plötzlich steht auf der Seite des Nationalparks, dass alle Campingplätze wegen Corona geschlossen sind. Ich werde sehr unruhig. Wir fahren also zu einem privaten Campingplatz direkt am See und buchen dort ein Plätzchen für die Nacht. Das klappt ohne Probleme – puh! Anschließend scheint die Sonne noch immer so schön, also entschließen wir uns noch eine Wanderung zu machen – den Kopf frei laufen. Wir entscheiden uns direkt für das Highlight: „The Pinnacle“ vom „Wonderland Car Park“.

Und bereits die ersten Meter wirken wahre Wunder – hier ist es sooo schön! Überall Felsen in tollen Formen und Farben und dazu ein strahlend blauer Himmel – wow! Der Weg ist richtig cool über Felsen und Steine, eng zwischen den Felsen hindurch und über abenteuerliche Stufen. So gefällt uns das! Ein wirklich spektakulärer Weg, der garantiert auf andere Gedanken bringt – schließlich muss man sich auch ganz schön konzentrieren um auf den Felsen nicht abzurutschen. Besonders wenn man erst wenige Monate vorher einen fiesen Bänderriss hatte (so wie ich) – so wird einem etwaigen Trauma vor Felsen gleich mal vorgebeugt. Hier habe ich ja auch meine Wanderbooties an und nicht meine Birkenstokies. *facepalm*

Nach dem Gang durch die „stille Straße“ erwartet uns nun endlich die spektakuläre Aussicht: The Pinnacle:

Was für ein weites und wunderschönes Land! Wir können uns kaum trennen, aber es ist schon halbwegs spät und wir wollen nicht riskieren im Dunkeln über die Felsen klettern zu müssen. Also machen wir uns auf den Rückweg.

Als wir wieder in den Ort fahren, gleicht dieser plötzlich einem Tierpark! Der öffentliche Sportplatz ist voll mit Emus und Kängurus, neben der Straße wuselt ein Ameisenigel und in den Bäumen lachen Kookaburras und kreischen Kakadus und Papageien! Bereits um die Mittagszeit waren hier ein paar Tiere unterwegs. Aber was jetzt zur Dämmerung los ist, ist einfach nur unbeschreiblich cool!

Wir fahren gaaanz vorsichtig weiter zum Campingplatz und auch hier tummeln sich einige Kängurus – quasi direkt neben unserem Stellplatz! Wir erkunden weiter den Campingplatz …

Der Campingplatz ist super ordentlich, schick und hipp. So direkt neben dem See sind sogar Camp-Feuer erlaubt – in Australien eine absolute Seltenheit! Auf dem Fernseher laufen Bilder vom Prime-Minister „Die Ferien werden nicht so sein, wie wir sie bisher gekannt haben …“ – wir hören nur mit halben Ohr zu und verlassen schnell den Aufenthaltsraum. Lieber noch ein bisschen Kängurus und Kakadus gucken und ein paar leckere Wraps futtern!

Dann wird es Donnerstag der 26. März und Australien verbietet im ganzen Land „nicht notwendige Reisen“. Wir wollen auf dem Campingplatz um zwei Nächte verlängern. Stattdessen wird Jonas vor die Wahl gestellt: weiter fahren oder auf unbestimmte Zeit bleiben. Da bleiben uns Speck, Eier und Bohnen im Hals stecken – wie bitte?! Ja, wir wären nun gestrandet, weil keine Flugzeuge mehr fliegen würden, wir sollten mal die Botschaft anrufen. Gesagt, getan – ein völlig entnervter Mitarbeiter verweist uns auf Qatar-Flüge die noch gehen und die wir doch bitte nach Hause nehmen sollen. Und er weiß ja nicht, wie lange die noch fliegen … Wow, das war hilfreich – nicht! Auch online finden wir kaum verlässliche Quellen was nun wirklich geschlossen und verboten ist. Ein Telefonat mit der Heimat beruhigt die Nerven ein wenig. Es scheint uns doch die bessere Option erst mal zu bleiben, wo wir sind – hier gibt es keine Fälle, dafür eine wunderschöne Natur, unzählige Tiere, einen tollen Campingplatz mit einer super freundlichen Besitzerin. Sie bietet uns die Übernachtung in einer „Cabin“ an – für nur 300 Dollar pro Woche. Üblicherweise kostet so eine Unterkunft 170 Dollar pro Nacht! Wir dürfen uns sogar zwei Unterkünfte angucken die direkt beziehbar wären.

Jap, hat uns voll und ganz überzeugt – hier ziehen wir erst mal ein! Nachdem wir unsere Vorräte noch etwas aufgestockt haben (schließlich brauchen wir jetzt wirklich Toilettenpapier – im Laden konnten wir eine einzelne Rolle kaufen!), beschließen wir unser neues „zu Hause“ näher zu erkunden. Die beliebte kurze Wanderung zu den MacKenzie Falls soll ab Freitag wegen Covid gesperrt werden – also nutzen wir noch unsere Chance. Auf dem Weg fahren wir noch einen kurzen Schlenker zu einem schönen Aussichtspunkt. An dem See im Hintergrund liegt unsere Cabin.

Auf dem Weg zum Wasserfall ist nicht viel los. Trotzdem vermeiden wir es die Metallgeländer auf den zahlreichen Stufen nach unten anzufassen – man weiß ja nie … Der Wasserfall ist wasserreicher und spektakulärer, als ich erhofft hatte.

Da das Wetter wieder traumhaft schön ist und die Wanderung wirklich arg kurz war, gehen wir weiter zu den Fish Falls. Was für ein toller entspannter Weg am Fluss entlang! Auch vom zweiten Wasserfall bin ich (nach unserer ersten Wasserfall-Erfahrung so ganz ohne Wasser) positiv überrascht.

Aber langsam bekommen wir Hunger und wir haben nichts dabei – also zurück zum Auto! Direkt vor dem Camper sucht auch eine Emu-Familie nach einem leckeren Mittagessen. Uh, die gucken ganz schön fies.

Ein letzter kurzer Weg führt noch zu einem Aussichtspunkt von oben auf die Wasserfälle – nun haben wir die MacKenzie Falls aber wirklich gesehen!

Auf dem Rückweg biegen wir noch mal ab für einen weiteren tollen Aussichtspunkt. Wir wollen nicht unbedingt erneut die enge kurvige Straße hoch fahren für eine 30 Minuten Wanderung. Bereits am Parkplatz wird deutlich, dass sich das gelohnt hat.

Weiter geht es zu „The Balconies“. Obwohl wir hier für eine längere Zeit allein sind, widerstehe ich dem sehr starken Drang über die Absperrung zu klettern für ein Foto auf den Balkonen… Wir lassen den Blick schweifen. Wer denkt hier an eine Pandemie?!

Zurück bei unserer Cabin werden wir von unseren neuen gefiederten Nachbarn begrüßt. Der Papagei ist regelmäßig vorbei gekommen und hat sogar direkt neben mir auf einer Bank gesessen und gefuttert. ❤ Mega! Auch die menschlichen Nachbarn sind deutlich mehr geworden – das „Refugee-Camp“ für Touristen hat sich wohl rum gesprochen.

Wir stoßen auf unsere neue Behausung an und versuchen uns vor dem Fernseher zu entspannen. Es läuft überall nur Covid … Zeitgleich zum Verbot der nicht notwendigen Reisen hat unsere Fluggesellschaft eine Pressemeldung raus gegeben, in der sie deutlich sagen, dass sie weiter fliegen wollen und die gestrandeten Touristen nach Hause bringen wollen. Der bange Blick auf unseren Rückflug wirft zum ersten Mal Rätsel auf – unser Flug ist weiterhin bestätigt, aber wir haben eine Minus-Umstiegszeit in Doha … Das kann ja nur schief gehen … Wir tragen uns auf der Liste für mögliche Rückhol-Flüge der Bundesregierung ein …

Am nächsten Tag sind ein paar Wolken aufgezogen, aber das Wetter ist immer noch wunderschön. Ich hänge ein bisschen in der Telefonwarteschleife von Qatar-Airways rum – ohne Erfolg. Wir beschließen also den schönen Tag zu nutzen und eine weitere Wanderung zu machen. Heute soll es auf den höchsten Berg der Grampians gehen – Mount William. Die Wanderung ist nicht sonderlich spannend – man geht auf einer geteerten Straße, ohne Schatten, immer bergan. Allerdings ist die Aussicht an jeder Ecke einfach nur toll!

Mount William

Oben angekommen haben wir ein klasse 360°-Panorama! Ein guter Ort um ein Geburtstagsvideo für Jonas‘ Schwester aufzunehmen. ^^

Mittagspause machen wir dieses Mal am See. Jonas wirft auch ein paar mal die Angel aus – er hat sich eine Monatskarte fürs Angeln in Victoria gekauft.

Bevor es zurück geht, machen wir noch einen kurzen Stopp beim Silverband Falls. Nun, dieser Wasserfall hat den Namen mal wieder eher nicht verdient. ^^

Bereits den ganzen Tag kann ich nur halb auf die Schönheiten der Natur achten. Mich beschäftigt nur die Frage ob und wie wir wieder nach Hause kommen. Ich lese hier und da – so viele verschiedene Meinungen, keiner kann mir sagen, was kommen wir. So eine Situation war ja noch nie da! Am Abend unterhalte ich mich mit einem Kanadier, gebürtigen Schweizer. Sie sind bereits einige Monate in Australien und haben die Situation auch nicht kommen sehen. Die bange Frage ist nun – should I stay or should I go? Den sicheren Hafen aufgeben um dann in der Stadt (mit tatsächlichen Fällen in der Nähe) festzusitzen? Aber wie lange fliegen die Flugzeuge wohl noch? Wird man zu Hause in Quarantäne müssen? Wie ist das mit der Krankenversicherung? Es tut wahnsinnig gut mit jemand zu sprechen, der in der gleichen Situation ist und versteht.

Am nächsten Morgen verbringe ich erneut einige Stunden in der Qatar-Warteschleife … Nach der Ankündigung der „Nach-Hause-holen-Aktion“ sind deutlich mehr Flüge dazu gekommen, auch zu etwas „bezahlbareren“ Preisen. Doch die Plätze werden weniger und weniger … Telefonisch sollen wir angeblich unsere gebuchten Rückflug kostenlos umbuchen können. Online sollen wir dafür 4.000 Euro bezahlen! Da ist es günstiger einen komplett neuen Flug zu buchen … Nach erneutem Warten halte ich es nicht mehr aus – ich buche uns einen neuen Rückflug. Direkt, ohne Umbuchung für viel zu viel Geld. Es tut weh, es erleichtert, es beruhigt und beunruhigt zur gleichen Zeit. Am Mittwoch den 1. April soll es zurück gehen – von Sydney. Dort müssen wir ja auch den Camper abgeben. Es ist Samstag der 28. März. Nun ist es getan – wir müssen raus und uns bewegen. Jonas schlägt eine anspruchsvolle Wanderung, den „Boronia Peak Walk“ vor. Es ist warm und steil, kleine Eidechsen kreuzen immer wieder unseren Weg.

Andere Menschen sind kaum unterwegs. Wollen wir wirklich zurück? Hier ist es wunderschön! Hier kann man Abstand halten! Unsere Wohnung zu Hause ist nicht viel größer als die Cabin … und da tummeln sich im Garten keine Kängurus sondern nur ein nicht fertig sanierter Balkon. So geht es in meinem Kopf ständig hin und her. Davon kann ich euch allerdings kein Foto zeigen – dafür aber von der erneut atemberaubenden Aussicht:

Abends wird geschlemmt – wir haben noch sooo viele Vorräte die gegessen werden müssen. ^^

Der Sonntag startet regnerisch und stürmisch. Perfekt um zu Packen! Gegen späten Nachmittag klart es wieder auf. Wir wagen noch einen kurzen Spaziergang zu den Venus Baths, quasi im Stadtpark von Halls Gap. Was vor ein Ort!

Auf dem Rückweg halten wir noch am „Cultural Centre“ und lesen auf den Displays etwas über die Kultur der Aborigine. Zu unserer Überraschung hat auch der Souvenirladen noch offen. Wir schlendern umher, immer darauf bedacht nichts anzufassen, was wir nicht wirklich kaufen wollen und erstehen unsere einzigen Souvenirs aus Australien. Zu dem Zeitpunkt hoffen wir noch, dass am Flughafen Läden offen haben und wir unsere Bargeld-Dollar los werden können. Hier nimmt man nur Karte. Es ist kurz vor Ladenschluss – wir machen damit den Negativ-Rekord kaputt. Fast hätten sie einen Tag geöffnet gehabt, ohne ein einziges Teil zu verkaufen. Sie wissen nicht, ob sie am nächsten Tag wieder öffnen dürfen. Die Schwester einer Verkäuferin sitzt vor Italien auf einem Kreuzschiff fest – puh, da wollten wir auch nicht tauschen!

Am Abend gibt es wieder reichlich zu Essen und zu Trinken. Die Nacht ist unruhig – was erwartet uns wohl in Sydney? Werden wir fliegen können? Wird alles klappen? Immerhin liegen knapp 1.000 km vor uns die wir in zwei Tagen absolvieren müssen … Wie es uns ergangen ist, erfahrt ihr beim nächsten Mal! Viele Grüße, Franzi

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